Ausstellen

Auf einen Open Call bewerben: was Jurys wirklich ansehen

4 Minuten Lesezeit

Ausschreibungen sind für viele der einzige Weg in eine Ausstellung, für die man niemanden kennt. Der Ablauf ist immer ähnlich: Bilder, ein Text, eine Vita, manchmal ein Konzept. Und die Enttäuschung ist ebenfalls ähnlich, weil kaum jemand erklärt, worauf tatsächlich geachtet wird. Dieser Text beschreibt, was in eine Bewerbung gehört und in welcher Reihenfolge Entscheidungen fallen.

Wie eine Jury tatsächlich arbeitet

Bei zweihundert Einsendungen und einem Nachmittag Sitzungszeit bleibt pro Bewerbung weniger als eine Minute. Der erste Durchgang ist eine Sichtung der Bilder, nichts weiter. Texte werden erst in der zweiten Runde gelesen, bei denen, die übrig sind.

Daraus folgt das Wichtigste an diesem ganzen Text: Deine Bildauswahl entscheidet, ob dein Text überhaupt jemals gelesen wird. Wer Stunden in das Konzept steckt und die Bilder in zwanzig Minuten zusammensucht, hat die Aufgabe verkehrt herum angefasst.

Die Bildauswahl

  • Eine Werkgruppe, nicht dein Gesamtwerk. Zusammenhang schlägt Bandbreite.
  • Sechs bis zehn Arbeiten, wenn die Ausschreibung keine Zahl vorgibt.
  • Die stärkste Arbeit zuerst — sie entscheidet, ob weitergeklickt wird.
  • Aktuell: nichts, was älter als drei bis vier Jahre ist, außer es ist die Reihe selbst.
  • Saubere Aufnahmen, gerade, farbtreu, ohne Atelierboden und Zimmerpflanze im Bild.

Wenn du zwischen zwei Werkgruppen schwankst: Nimm die, zu der du mehr sagen kannst. Das ist fast immer auch die, die stärker ist.

Das Dateiformat ist kein Nebenaspekt

Ausschreibungen nennen fast immer Vorgaben — Dateigröße, Auflösung, Benennung, Reihenfolge. Diese Vorgaben sind keine Bürokratie, sondern der erste Test. Eine Jury, die vierzig Dateien umbenennen muss, um sie sortiert zu sehen, beginnt schlecht gelaunt.

Bewährt hat sich das Schema: Nachname_01_Titel_Jahr.jpg. Damit stimmt die Sortierung automatisch und jede Datei ist auch einzeln noch zuzuordnen, wenn sie aus dem Ordner gerutscht ist.

Und wenn ein Link erlaubt ist, nutze ihn. Eine begehbare Onlinefassung deiner Werkgruppe zeigt in dreißig Sekunden Maßstab, Zusammenhang und Hängung — Dinge, die acht Einzelbilder in einem PDF grundsätzlich nicht transportieren können.

Der Text

Verlangt wird meist ein Statement, manchmal ein Konzept für genau diese Ausstellung. Das sind zwei verschiedene Dinge, und sie werden regelmäßig verwechselt.

  • Statement: was du generell machst und warum.
  • Konzept: was du in diesem Raum, zu diesem Thema, mit diesen Arbeiten vorhast.

Wer ein Konzept verlangt und ein Statement bekommt, merkt sofort, dass hier eine Standardbewerbung verschickt wurde. Ein einziger Absatz, der Bezug auf das Thema der Ausschreibung nimmt, hebt dich von der Hälfte des Feldes ab.

Wann man nicht mitmacht

Es gibt einen Markt für Ausschreibungen, der von den Gebühren der Bewerbenden lebt. Ein paar Merkmale dafür:

  • Hohe Teilnahmegebühr ohne benannte Jury
  • Der Preis besteht in einer Ausstellung, für die du wiederum zahlst
  • Hängegebühren, Katalogbeteiligung oder Pflichtankauf
  • Nutzungsrechte an deinen Bildern, die über die Bewerbung hinausgehen
  • Kein Impressum, keine früheren Ausgaben, keine Namen

Eine moderate Bearbeitungsgebühr bei einem Kunstverein ist etwas anderes und völlig üblich. Der Unterschied liegt darin, ob Geld die Nebensache oder der Zweck ist.

Nach der Absage

Absagen sind der Normalfall, nicht die Ausnahme — eine Erfolgsquote von einer aus zehn Bewerbungen ist gut. Das ist keine Floskel, sondern eine Rechengröße: Wer zweimal im Jahr bewirbt, wartet Jahre. Wer zwanzigmal bewirbt, stellt aus.

Führe eine kleine Liste: wo beworben, wann, mit welcher Werkgruppe, Ergebnis. Nach einem Jahr siehst du daran, welche Art von Haus auf deine Arbeit reagiert — und das ist die nützlichste Information, die aus Absagen zu gewinnen ist.

Häufige Fragen

Wie viele Arbeiten schicke ich mit?

Sechs bis zehn, wenn die Ausschreibung nichts vorgibt — und aus einer Werkgruppe. Zusammenhang wirkt stärker als Bandbreite, weil eine Jury eine Handschrift erkennen können muss.

Lesen Jurys überhaupt die Texte?

In der zweiten Runde ja, im ersten Durchgang meistens nicht. Deshalb entscheidet die Bildauswahl darüber, ob dein Text jemals gelesen wird.

Soll ich Teilnahmegebühren bezahlen?

Eine moderate Bearbeitungsgebühr bei einem seriösen Veranstalter ist üblich. Vorsicht ist geboten, wenn eine hohe Gebühr auf eine unbenannte Jury trifft oder der Gewinn eine Ausstellung ist, für die du erneut zahlst.

Wie oft muss man sich bewerben, bis es klappt?

Eine Zusage auf zehn Bewerbungen gilt als gute Quote. Wer sich zweimal im Jahr bewirbt, wartet entsprechend lange — die Zahl der Versuche ist der Hebel, an dem man selbst drehen kann.

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