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Das Künstlerstatement: über die eigene Arbeit schreiben, ohne Kunstsprech

4 Minuten Lesezeit

Irgendwann fragt jemand danach: die Jury einer Ausschreibung, eine Galerie, der Kunstverein, oder die eigene Website will einen Absatz. Und dann sitzt man da und schreibt Sätze, die man selbst nicht versteht. Das muss nicht sein. Ein Statement ist kein kunsthistorischer Aufsatz über die eigene Arbeit, sondern eine Auskunft darüber, was du machst und warum.

Statement, Vita, Biografie — drei verschiedene Dinge

  • Das Statement beschreibt die Arbeit: Was machst du, wie, und was treibt dich um. Gegenwart.
  • Die Vita listet Stationen: Ausbildung, Ausstellungen, Preise. Stichpunkte, keine Sätze.
  • Die Biografie erzählt den Weg dorthin in Fließtext. Wird seltener verlangt.

Wer nach einem Statement fragt, will fast nie eine Lebensgeschichte. Wo du geboren bist, gehört in die Vita.

Die drei Fragen

Ein brauchbares Statement beantwortet drei Fragen, in dieser Reihenfolge. Mehr braucht es nicht.

  • Was machst du? Medium, Format, Motive. Ganz konkret und ohne Umschweife.
  • Wie arbeitest du? Verfahren, Material, Arbeitsweise — das, was jemand sähe, der dir zusieht.
  • Warum? Was dich an diesem Thema festhält. Der schwierigste und der wichtigste Teil.

Die dritte Frage ist die, an der die meisten in leere Formeln flüchten. „Ich erforsche das Spannungsfeld zwischen Raum und Wahrnehmung“ ist kein Warum, sondern eine Ausrede. Ein Warum wäre: „Ich male seit vier Jahren dieselbe Kreuzung, weil ich sehen will, wie viel sich verändert, wenn man lange genug hinschaut.“

Wie lang

Halte zwei Fassungen bereit, dann passt immer eine:

  • Kurzfassung: 60 bis 80 Wörter, drei bis vier Sätze. Für Website, Katalogseite, Bewerbungsformulare mit Zeichenbegrenzung.
  • Langfassung: 200 bis 300 Wörter. Für Ausschreibungen, Pressetexte, Ausstellungsunterlagen.

Ein Verfahren gegen das leere Blatt

Fast niemand kann über die eigene Arbeit gut schreiben. Über sie sprechen können fast alle. Nutze das:

  • Bitte jemanden, dir die drei Fragen zu stellen, und nimm das Gespräch auf. Zwanzig Minuten genügen.
  • Tipp die Aufnahme ab, ohne zu glätten. Auch die Halbsätze.
  • Streiche alles, was Erklärung an die fragende Person war — „also, weißt du“ und dergleichen.
  • Was übrig bleibt, sind deine eigenen Formulierungen. Ordne sie nach den drei Fragen und kürze.

Der Text, der so entsteht, klingt nach dir. Das ist der ganze Punkt, und es ist der Grund, warum er besser wird als alles, was du am Schreibtisch erzwingst.

Was raus muss

Es gibt eine Handvoll Wendungen, die in fast jedem schwachen Statement vorkommen. Sie sagen nichts und signalisieren, dass hier abgeschrieben wurde, was andere schreiben:

  • „Spannungsfeld“, „Dialog“, „Diskurs“, „Narrativ“ — außer du meinst sie wirklich
  • „hinterfragt“, „dekonstruiert“, „lotet aus“
  • „zwischen X und Y“ als Satzbaukasten
  • „in meinen Arbeiten geht es um“ als Einstieg — beginne lieber mit der Sache selbst
  • Der Verweis auf große Namen, in deren Nähe man sich stellt

Die Gegenprobe ist einfach: Streich einen Satz und sieh nach, ob etwas fehlt. Wenn nicht, war er nicht da.

Ich oder er und sie?

Beides ist üblich. Die Ich-Form wirkt näher und passt auf die eigene Website. Die dritte Person wirkt distanzierter und ist praktisch, wenn der Text von Dritten übernommen wird — Presse und Kataloge können ihn dann unverändert setzen.

Wenn du dich nicht entscheiden kannst: Schreib die Kurzfassung in der dritten Person, damit sie überall verwendbar ist, und die Langfassung in der Ich-Form.

Wo der Text hingehört

Ein Statement, das nur in einer Datei auf dem Rechner liegt, hilft niemandem. Es gehört an die Stellen, an denen jemand auf deine Arbeit trifft: auf die Startseite deiner Website, in die Ausstellungsunterlagen, an den Eingang der Ausstellung — und in die Onlinefassung deiner Galerie, wo der Text im ersten Raum stehen kann, bevor jemand die Werke sieht.

Und noch etwas: Ein Statement ist kein Denkmal. Überarbeite es, wenn sich die Arbeit ändert — realistisch alle ein bis zwei Jahre. Ein Text, der zur Arbeit von vor fünf Jahren passt, schadet mehr, als er nutzt.

Häufige Fragen

Wie lang sollte ein Künstlerstatement sein?

Halte zwei Fassungen bereit: eine kurze mit 60 bis 80 Wörtern für Website und Formulare, eine lange mit 200 bis 300 Wörtern für Ausschreibungen und Pressetexte.

Was ist der Unterschied zwischen Statement und Vita?

Das Statement beschreibt in Sätzen, was du machst und warum. Die Vita listet in Stichpunkten Ausbildung, Ausstellungen und Preise auf. Wer nach einem Statement fragt, will keine Lebensdaten.

Soll ich in der Ich-Form schreiben?

Beides ist üblich. Die dritte Person hat den praktischen Vorteil, dass Presse und Katalog den Text unverändert übernehmen können. Die Ich-Form wirkt näher und passt gut auf die eigene Website.

Wie oft sollte ich das Statement aktualisieren?

Immer dann, wenn sich die Arbeit verändert hat — realistisch alle ein bis zwei Jahre. Ein Text, der die Arbeit von vor fünf Jahren beschreibt, richtet mehr Schaden an als gar keiner.

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