Kunst verschicken: verpacken, versichern, kalkulieren
Verkaufen ist der schöne Teil, Verschicken der, an den vorher niemand denkt. Dabei entscheidet sich hier, ob aus einem zufriedenen Käufer ein wiederkehrender wird — und ob dich der Verkauf am Ende Geld kostet. Beides lässt sich vorher klären.
Der Aufbau: von innen nach außen
Bewährt hat sich ein Aufbau in vier Schichten:
- Direkt am Werk: säurefreies Seidenpapier oder Glassine — niemals Luftpolsterfolie direkt auf der Maloberfläche, sie kann sich abzeichnen
- Darüber: eine Lage Luftpolsterfolie, Noppen nach außen
- Kantenschutz: Eckenschützer aus Schaumstoff oder Karton an allen vier Ecken
- Außen: doppelwelliger Karton oder eine Kunststoffplatte, mindestens fünf Zentimeter größer als das Werk
Was das Werk verlangt
Bei gerahmten Arbeiten mit Glas: Klebeband kreuzweise über die Glasfläche. Bricht das Glas, halten die Scherben zusammen, statt in das Werk zu schneiden. Noch besser ist, das Glas vor dem Versand durch Acryl zu ersetzen.
Papierarbeiten reisen flach, zwischen zwei Kartonplatten. Rollen nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt, und dann in ein Rohr mit großem Durchmesser — enge Rollen erzeugen Knicke, die sich nicht mehr glätten lassen.
Große Leinwände lassen sich vom Keilrahmen nehmen und rollen; das spart erheblich Versandkosten. Bei frischer oder dicker Farbschicht ist davon abzuraten, und der Käufer muss wissen, dass er sie aufspannen lassen muss.
Was der Versand kostet
Innerhalb Deutschlands liegt ein Paket bis 120 Zentimeter Längskante meist im niedrigen zweistelligen Bereich. Sperrgut und Übergrößen werden deutlich teurer, und ab einer bestimmten Größe nehmen die Paketdienste gar nichts mehr an — dann kommt nur noch eine Spedition infrage, und die Rechnung wird dreistellig.
Rechne das Verpackungsmaterial mit: Kartons, Folie, Kantenschutz und Klebeband summieren sich pro Sendung auf einen spürbaren Betrag. Wer die Versandkosten pauschal übernimmt, sollte sie vorher einmal ausgerechnet haben.
Versicherung
Die Standardhaftung der Paketdienste deckt meist nur einen niedrigen Betrag — bei einem Werk für vierstellige Summen ist das nichts. Eine Zusatzversicherung ist möglich, hat aber Grenzen und Ausschlüsse.
Wichtig: Viele Transportversicherungen zahlen nur bei fachgerechter Verpackung. Ein Schaden an einem Werk, das in einem einfachen Karton ohne Kantenschutz gereist ist, kann zur Ablehnung führen. Sorgfalt ist hier nicht nur Höflichkeit, sondern Voraussetzung.
Fotografiere jede Sendung vor dem Verschließen. Diese Bilder sind im Schadensfall dein einziger Nachweis, dass ordentlich verpackt wurde.
Für den Käufer beilegen
- Rechnung
- Ein signiertes Echtheitszertifikat mit Titel, Jahr, Technik, Maßen und gegebenenfalls Auflagennummer
- Bei Grafik und Fotografie: Hinweise zum Umgang und zur Rahmung
- Eine Karte mit ein paar handgeschriebenen Zeilen
Der letzte Punkt sieht nach Kleinigkeit aus und ist der wirksamste. Wer ein Original kauft, kauft auch die Verbindung zu der Person, die es gemacht hat. Ein Paket, das sich wie eine Sendung von einem Menschen anfühlt, wird weitererzählt.
Die Alternative: Abholung
Bei großen Formaten und bei Käufern in der Nähe ist die persönliche Übergabe fast immer die bessere Lösung — kein Transportrisiko, keine Verpackungskosten, und ein Atelierbesuch, aus dem oft mehr entsteht als der eine Verkauf.
Biete es aktiv an. Viele Käufer würden gern, fragen aber nicht von sich aus.
Die Versandkosten gehören übrigens in die Preisüberlegung — ob sie im Preis stecken oder getrennt ausgewiesen werden, entscheidest du besser vorher als im Verkaufsgespräch. Dazu Was kostet mein Bild?.