Was kostet mein Bild? Preise selbst festlegen
„Was soll ich dafür verlangen?“ ist die unangenehmste Frage im Künstlerleben — weil sie so persönlich wirkt. Sie ist es nicht. Ein Preis ist keine Aussage über deinen Wert als Mensch, sondern eine Zahl, die du begründen können musst. Und begründbar heißt: Sie folgt einer Regel, die du auch beim nächsten Werk anwendest.
Die Formatformel als Ausgangspunkt
Die verbreitetste Methode im deutschsprachigen Raum rechnet über die Größe. Du addierst Höhe und Breite in Zentimetern und multiplizierst die Summe mit einem Faktor, der deine Erfahrung abbildet.
Ein Bild von 60 × 80 cm ergibt 140. Bei einem Faktor von 3 sind das 420 Euro, bei einem Faktor von 8 sind es 1.120 Euro. Der Faktor ist die eigentliche Entscheidung — er liegt bei Einsteigerinnen ohne Ausstellungshistorie meist zwischen 2 und 5, bei etablierten Positionen mit regelmäßigen Ausstellungen deutlich höher.
Der Vorteil dieser Methode ist nicht die Genauigkeit, sondern die Konsistenz. Wenn ein Sammler zwei deiner Werke nebeneinander sieht, ergibt der Preisunterschied Sinn. Das schafft Vertrauen — willkürlich wirkende Preise zerstören es.
Was in den Faktor einfließt
Ehrlich zu dir selbst: Wo stehst du?
- Hast du bereits verkauft — und zu welchen Preisen?
- Gab es Ausstellungen, und wenn ja, in welchem Rahmen?
- Gibt es eine Ausbildung oder ein Studium in dem Bereich?
- Wie lange arbeitest du schon kontinuierlich an dieser Werkgruppe?
- Gibt es Nachfrage, oder wartest du noch auf die erste?
Keiner dieser Punkte ist zwingend. Aber jeder erklärt einem Käufer, warum er nicht das Doppelte woanders bekommt. Wer nichts davon hat, fängt unten an — das ist keine Schande, sondern der Normalfall.
Materialkosten sind eine Untergrenze, kein Preis
Rechne aus, was dich Leinwand, Farbe, Rahmen und Anteile am Atelier kosten. Diese Summe ist die Grenze, unter der ein Verkauf dich ärmer macht. Sie ist aber kein Preis — Arbeitszeit, Erfahrung und die verworfenen Versuche stecken nicht darin.
Wer ausschließlich über Material und Stundenlohn rechnet, landet bei Zahlen, die entweder unbezahlbar oder unbezahlt sind. Kunst wird nicht nach Aufwand gekauft.
Der Fehler, den fast alle machen
Zu niedrig anfangen — und das aus einem verständlichen Grund: Man will niemanden abschrecken. Der Effekt ist aber der gegenteilige. Ein Preis signalisiert Einschätzung. Wer 80 Euro für ein großformatiges Original verlangt, sagt damit unfreiwillig, dass er selbst nicht daran glaubt.
Schwerer wiegt das Praktische: Preise nach oben zu korrigieren ist mühsam. Frühere Käufer erfahren davon, und du musst erklären, warum dasselbe heute mehr kostet. Nach unten geht immer — über einen Nachlass im Gespräch, ohne dass die Zahl öffentlich fällt.
Überall denselben Preis
Ein Werk kostet dasselbe, egal ob es in einer Ausstellung hängt, auf deiner Website steht oder im Atelier verkauft wird. Wer online billiger anbietet als über eine Galerie, verbrennt genau die Beziehung, die ihm Ausstellungen verschafft.
Denk daran, dass eine Galerie üblicherweise eine Provision einbehält — häufig um die 40 bis 50 Prozent. Der Preis muss also so kalkuliert sein, dass er auch mit Abzug funktioniert, und nicht so, dass du ihn im Direktverkauf unterbieten musst.
Preis zeigen oder nicht?
Zeig ihn. „Preis auf Anfrage“ wirkt bei etablierten Positionen souverän und bei allen anderen wie eine Hürde. Die meisten Menschen fragen nicht nach, sie klicken weiter.
Wenn du dich noch nicht festlegen willst, ist eine Spanne besser als Schweigen. Und wenn ein Werk nicht verkäuflich ist, schreib das hin — „nicht verkäuflich“ ist eine klare Aussage, kein Makel.
Wo der Preis dann steht, ist eine eigene Frage: nicht auf dem Werkschild, sondern auf einer Liste, die ausliegt. Und damit jemand die Größe überhaupt einschätzen kann, braucht es gute Aufnahmen — wie die entstehen, steht unter Bilder richtig abfotografieren.