Die Vernissage organisieren: Ablauf von acht Wochen vorher bis zum Abbau
Die eigene Eröffnung ist der Moment, in dem aus Arbeiten im Atelier eine Ausstellung wird. Und es ist der Moment, an dem am meisten schiefgehen kann, weil fast alles davon Wochen vorher entschieden wird. Dieser Ablauf ist auf eine kleine bis mittlere Ausstellung zugeschnitten — Atelier, Kunstverein, Café, Zwischennutzung. Nicht auf ein Museum mit Presseabteilung.
Acht Wochen vorher: Termin und Raum
Der Termin entscheidet mehr als der Ort. Donnerstag- und Freitagabend funktionieren am besten, Beginn zwischen 18 und 19 Uhr. Sonntagvormittag ist eine ernstzunehmende Alternative, wenn dein Publikum Familien sind. Meide die Wochen um Ostern, die Sommerferien deines Bundeslands und alles ab dem zweiten Advent.
Beim Raum zählen drei Dinge, und Schönheit ist keins davon: Licht, Wandfläche und ob man hinkommt. Ein hübscher Raum im dritten Hinterhof ohne Beschilderung kostet dich die Hälfte der Gäste.
- Wie viele laufende Meter Wand gibt es wirklich? Türen, Fenster und Heizkörper abziehen.
- Darf gebohrt werden, oder gibt es ein Hängesystem?
- Gibt es Strom für zusätzliche Leuchten?
- Wo stehen Gläser, wo wird gespült, wo kommt der Müll hin?
- Bis wann muss abgebaut sein?
Sechs Wochen vorher: einladen
Rechne mit einer Zusagequote von etwa einem Drittel und einer Erscheinensquote von noch einmal zwei Dritteln davon. Wer fünfzig Menschen im Raum haben möchte, lädt also gut zweihundert ein. Das klingt nach viel und ist völlig normal.
Die persönliche Einladung schlägt jede Anzeige. Eine einzeln geschriebene Nachricht an dreißig Menschen bringt mehr Publikum als ein Aushang, den dreihundert sehen. Auf die Einladung gehören: dein Name, der Ausstellungstitel, Datum und Uhrzeit der Eröffnung, die Adresse, die Laufzeit danach und die Öffnungszeiten.
Zusätzlich lohnt sich der lokale Weg: Stadtmagazin, Veranstaltungskalender der Gemeinde, das schwarze Brett der Volkshochschule, der Newsletter des Kunstvereins. Diese Kanäle wollen sechs bis acht Wochen Vorlauf und einen fertigen Text mit einem Bild — schick beides mit, statt darauf zu warten, gefragt zu werden.
Zwei Wochen vorher: Hängung, Schilder, Preisliste
Plane die Hängung auf Papier, bevor du sie an der Wand planst. Ein maßstäblicher Grundriss mit Rechtecken für die Werke spart am Aufbautag Stunden und Bohrlöcher. Die Mitte der Werke liegt üblicherweise auf 145 bis 150 Zentimetern.
Werkschilder und Preisliste sind zwei getrennte Dinge: Auf das Schild gehören Titel, Jahr, Technik und Maße, der Preis steht auf einer separaten Liste, die ausliegt. Beides sollte zusammen mit den Werken fertig sein, nicht am Abend davor entstehen.
- Werkschilder gedruckt und zugeschnitten
- Preisliste in mehrfacher Ausfertigung
- Gästebuch oder eine Liste für E-Mail-Adressen
- Ein kurzer Text über die Ausstellung, ausgedruckt am Eingang
- Werkzeug, Wasserwaage, Zollstock, Ersatznägel
Der Abend selbst
Zwei bis drei Stunden sind die richtige Länge, üblich ist 18 bis 21 Uhr. Die erste halbe Stunde kommt fast niemand, in der zweiten ist der Raum voll, in der letzten bleiben die, mit denen sich die guten Gespräche ergeben.
Die Rede: nach etwa vierzig Minuten, wenn die meisten da sind, und höchstens fünf Minuten lang. Wenn jemand anderes einführt, sprichst du danach selbst noch zwei Minuten — Dank an den Raum, an die Helfenden, ein Satz zur Arbeit. Mehr will niemand im Stehen hören.
Getränke: Wasser, ein Weiß, ein Rot, etwas Alkoholfreies. Rechne mit zwei bis drei Gläsern pro Person über den Abend. Wer Essen anbietet, halte es trocken und klein — alles, was tropft, landet irgendwann an einer Wand.
Die Adressen sind das eigentliche Ergebnis
Verkäufe am Eröffnungsabend sind schön und selten. Was du sicher mitnimmst, sind Kontakte — aber nur, wenn du sie einsammelst. Eine Liste mit der Überschrift „Wenn Sie von der nächsten Ausstellung erfahren möchten“ und zwei Spalten für Name und E-Mail genügt.
Diese Liste ist auf Jahre gesehen mehr wert als der Abend selbst. Achtzig Menschen, die dich sehen wollten und ihre Adresse dagelassen haben, sind ein besseres Publikum als zweitausend Follower.
Nach dem Abbau ist die Ausstellung weg — es sei denn
Das Unangenehme an einer Ausstellung ist ihr Ende. Nach zwei, drei Wochen kommen die Werke von der Wand, und was bleibt, sind ein paar Handyfotos. Wer damals keine Zeit hatte, wird die Arbeiten nie so sehen, wie sie gehängt waren.
Deshalb lohnt es sich, die Ausstellung zu dokumentieren, solange sie hängt: Gesamtaufnahmen jeder Wand, Einzelaufnahmen jeder Arbeit, ein Bild vom vollen Raum am Eröffnungsabend. Und es lohnt sich, eine Fassung anzulegen, die bestehen bleibt — eine begehbare Onlineversion derselben Hängung, deren Link du in die Vita schreiben, an Galerien schicken und in die nächste Einladung setzen kannst. Die Wand wird leer, der Link nicht.
Woran es meistens scheitert
- Zu spät eingeladen — sechs Wochen sind das Minimum, nicht der Puffer
- Zu wenig eingeladen — ein Drittel Zusagen ist der Normalfall, nicht das Scheitern
- Keine Laufzeit auf der Einladung
- Keine Preisliste, weil es sich unangenehm anfühlte
- Zu lange Rede
- Keine Adressliste, und am Ende weiß man nicht, wer da war