Eigene Website oder Portfolio-Plattform?
Irgendwann steht jede Künstlerin vor dieser Frage, meist ausgelöst von jemandem, der nach „deiner Seite“ fragt. Die Antwort hängt weniger vom technischen Können ab als davon, was du in fünf Jahren noch in der Hand haben willst.
Was für eine eigene Website spricht
Die Adresse gehört dir. Das klingt nach einer Formalie, ist aber der einzige wirklich gewichtige Punkt: Eine Plattform kann ihre Bedingungen ändern, die Gestaltung umbauen oder schließen. Eine Domain, die auf deinen Namen läuft, bleibt.
Dazu kommt die gestalterische Freiheit — und deren Kehrseite. Wer gestalten kann oder jemanden dafür hat, bekommt etwas Eigenes. Wer nicht, bekommt oft eine Seite, die schlechter aussieht als jede Vorlage.
Was für eine Plattform spricht
Du bist an einem Nachmittag online statt in drei Wochen. Es gibt keine Wartung, keine Sicherheitsupdates und niemanden, den du anrufen musst, wenn etwas kaputt ist.
Und je nach Plattform kommt Publikum mit, das dich sonst nie gefunden hätte. Das gilt allerdings längst nicht überall — bei den meisten Anbietern musst du deine Besucher selbst mitbringen. Prüfe das, bevor du dich davon locken lässt.
Der Denkfehler „entweder oder“
Die beiden Wege schließen sich nicht aus, und für die meisten ist die Reihenfolge entscheidend: erst irgendwo sichtbar sein, dann die eigene Adresse aufbauen.
Eine leere eigene Website nützt niemandem. Eine gut gefüllte Präsenz irgendwo, auf die du verlinken kannst, bringt dich sofort weiter. Später richtest du eine eigene Domain ein und leitest weiter — die Arbeit ist nicht verloren.
Worauf du bei einer Plattform achten solltest
- Bekommst du eine eigene Adresse, oder steht dein Name irgendwo hinter einem Fragezeichen in der URL?
- Kommst du an deine Bilder und Texte heran, wenn du gehen willst?
- Bekommt jedes Werk eine eigene Seite? Ohne das kann Google einzelne Arbeiten nicht finden.
- Wie viel fremdes Branding steht zwischen dir und deinem Publikum?
- Gibt es eine monatliche Kündigungsmöglichkeit, oder bindest du dich für ein Jahr?
Was in beiden Fällen gilt
Weder eine Website noch eine Plattform bringt von allein Besucher. Beide sind ein Ziel, kein Weg. Die Besucher kommen über deinen Newsletter, über Ausstellungen, über soziale Netzwerke, über Empfehlungen — und erst mit einigem Vorlauf über Suchmaschinen.
Wenn du dich fragst, in welcher Form die Arbeiten dort gezeigt werden sollen, hilft der Vergleich unter Virtuelle Ausstellung: die Möglichkeiten weiter.
Wer das umdreht und erwartet, dass eine schöne Seite von selbst gefunden wird, wartet lange. Die Seite ist die Voraussetzung dafür, dass deine eigenen Bemühungen irgendwo landen können.