Ausstellen

Die erste eigene Ausstellung — auch ohne Galerie

3 Minuten Lesezeit

Die meisten Künstlerinnen warten auf den Anruf einer Galerie. Er kommt selten und selten früh. Die Alternative ist unspektakulärer, als sie klingt: Man sucht sich einen Raum und lädt Leute ein. Was dabei tatsächlich zu tun ist, in der Reihenfolge, in der es anfällt.

Drei Monate vorher: auswählen

Zuerst die Werke, dann alles andere. Eine Ausstellung ist keine Leistungsschau, sondern eine Auswahl — acht Arbeiten, die zusammengehören, wirken stärker als dreißig, die nur zufällig von derselben Person stammen.

Der harte Teil: weglassen. Frag jemanden, dessen Urteil du erträgst, welche drei Arbeiten am schwächsten sind. Meistens bestätigt die Antwort, was du selbst ahnst.

Zwei bis drei Monate vorher: Raum finden

Es muss keine Galerie sein. Häufig funktionieren:

  • Cafés und Restaurants — oft kostenlos, dafür schwierige Beleuchtung
  • Arztpraxen und Kanzleien — ruhig, zahlungskräftiges Publikum, wenig Laufkundschaft
  • Leerstehende Ladenlokale — Zwischennutzung, oft über die Stadt oder Eigentümer vermittelbar
  • Bürgerhäuser, Bibliotheken, Volkshochschulen — günstig, mit vorhandenem Publikum
  • Das eigene Atelier — die unterschätzteste Möglichkeit von allen

Klärt schriftlich, wer für Beschädigungen haftet, wer die Hängung übernimmt, ob verkauft werden darf und ob eine Beteiligung anfällt. Ein formloser Zweizeiler per E-Mail genügt, aber er sollte existieren.

Sechs Wochen vorher: einladen

Der Punkt, an dem die meisten Ausstellungen scheitern — nicht an der Kunst, sondern daran, dass niemand davon wusste. Rechne damit, dass etwa ein Fünftel bis ein Viertel der persönlich Eingeladenen tatsächlich kommt.

Persönliche Einladungen wirken um ein Vielfaches besser als öffentliche Aufrufe. Eine namentliche Nachricht an fünfzig Menschen bringt mehr als ein Beitrag, den fünfhundert sehen.

Denk an die lokale Presse. Kleine Zeitungen und Stadtmagazine suchen ständig Themen; eine fertige Kurzmeldung mit einem guten Foto wird häufiger übernommen, als man glaubt.

Zwei Wochen vorher: die Unterlagen

  • Werkliste mit Titel, Jahr, Technik, Maßen und Preisen
  • Werkschilder, einheitlich gesetzt und geschnitten
  • Ein kurzer Text zur Ausstellung, etwa eine halbe Seite
  • Eine Liste, in die sich Interessenten für Neuigkeiten eintragen können
  • Ein Notizzettel für Reservierungen — im Trubel vergisst man Zusagen

Die Eintragungsliste ist der wertvollste Gegenstand des Abends. Wer sich einträgt, hat Interesse bekundet und ist beim nächsten Mal wieder erreichbar. Ein verkauftes Bild ist ein Abend; eine Adressliste ist die nächsten fünf Jahre.

Am Tag: hängen

Plane mehr Zeit ein, als du für nötig hältst — das Hängen dauert immer länger als gedacht. Leg die Werke zuerst auf dem Boden in der geplanten Reihenfolge aus und geh die Strecke einmal ab, bevor der erste Nagel in die Wand geht.

Zu Abständen und Höhe gibt es eine eingespielte Konvention, die sich zu kennen lohnt und die in einem eigenen Beitrag steht.

Danach: der Teil, den fast alle vergessen

Fotografiere die gehängte Ausstellung, bevor sie wieder abgebaut wird. Diese Bilder sind später deine Bewerbungsunterlage, dein Pressematerial und der Beleg dafür, dass es die Ausstellung gab.

Und dann: Stell die Ausstellung online. Eine Hängung, die drei Wochen zu sehen war, kann danach dauerhaft zugänglich bleiben — für alle, die an dem Abend nicht konnten, und für alle, die dich erst später finden.

Zwei Dinge solltest du vorher erledigt haben: die Schilder nach den üblichen Konventionen beschriften — siehe Werke beschriften — und die Preise festgelegt haben, wozu Was kostet mein Bild? eine Anleitung gibt.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Vorbereitung einer eigenen Ausstellung?

Rechne mit etwa drei Monaten: Werkauswahl zuerst, Raumsuche zwei bis drei Monate vorher, Einladungen sechs Wochen vorher, Unterlagen zwei Wochen vorher.

Wo kann ich ausstellen, wenn ich keine Galerie habe?

Cafés, Arztpraxen, Kanzleien, leerstehende Ladenlokale, Bürgerhäuser, Bibliotheken und das eigene Atelier. Wichtig ist eine schriftliche Absprache zu Haftung, Hängung und Verkauf.

Wie viele Leute kommen zu einer Vernissage?

Erfahrungsgemäß etwa ein Fünftel bis ein Viertel der persönlich Eingeladenen. Persönliche Nachrichten wirken dabei deutlich stärker als öffentliche Ankündigungen.

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