Instagram für Künstler, ohne sich zu verbiegen
Kaum ein Thema erzeugt so viel schlechtes Gewissen. Man solle täglich posten, Trends bedienen, Videos machen. Die meisten Ratschläge stammen von Leuten, die Reichweite verkaufen, nicht Kunst. Was tatsächlich hilft, ist weniger und unspektakulärer.
Wofür Instagram taugt — und wofür nicht
Es taugt hervorragend, um gefunden zu werden und in Erinnerung zu bleiben. Kuratorinnen, Galerien und Journalisten schauen dort nach, wenn sie einen Namen hören. Ein aufgeräumtes Profil ist heute oft der erste Eindruck, den jemand von deiner Arbeit bekommt.
Es taugt schlecht als Verkaufskanal. Direktverkäufe über Instagram sind die Ausnahme, nicht die Regel. Wer dort auf Umsatz hofft, wird enttäuscht — wer auf Kontakte hofft, meist nicht.
Was tatsächlich funktioniert
Der Entstehungsprozess. Halbfertige Arbeiten, die Palette, der verworfene Versuch, das Atelier am Ende eines langen Tages. Menschen folgen Menschen, und das fertige Werk allein erzählt nichts darüber, wie es entstanden ist.
Zeitraffer und kurze Videos vom Arbeiten haben dabei deutlich mehr Reichweite als Standbilder — nicht weil sie besser wären, sondern weil die Plattform sie bevorzugt ausspielt. Das darf man wissen und nutzen, ohne es zu mögen.
Und dann: Gesicht zeigen, wenigstens gelegentlich. Das ist für viele der unangenehmste Ratschlag, und er ist trotzdem der wirksamste.
Was du getrost ignorieren kannst
- Täglich posten. Zweimal die Woche über zwei Jahre schlägt täglich über zwei Monate.
- Dreißig Hashtags. Fünf bis zehn präzise sind wirksamer als eine Wand aus Schlagworten.
- Trend-Audio, das nichts mit deiner Arbeit zu tun hat.
- Optimale Uhrzeiten. Der Effekt ist bei kleinen Konten kaum messbar.
- Gekaufte Follower. Sie senken deine Reichweite, weil sie nie reagieren.
Der Fehler, der alles kostet
Sein gesamtes Publikum auf einer Plattform aufzubauen, die einem nicht gehört. Reichweiten brechen ein, wenn sich ein Algorithmus ändert; Konten werden gesperrt, manchmal irrtümlich und ohne erreichbaren Ansprechpartner.
Deshalb: Nutze Instagram, um Menschen zu finden — und führe sie von dort zu etwas, das dir gehört. Eine eigene Adresse, auf der deine Arbeiten stehen. Eine Liste, in die sich Interessenten für Neuigkeiten eintragen können.
Fünfzig E-Mail-Adressen, die du selbst besitzt, sind belastbarer als fünftausend Follower. Sie erreichen dich auch dann noch, wenn die Plattform verschwindet oder ihre Spielregeln ändert.
Wenn du es nicht magst
Dann lass es. Ein widerwillig gepflegtes Profil, das dreimal im Jahr ein Foto bekommt, wirkt schlechter als gar keins. Es gibt Künstlerinnen mit vollen Terminkalendern und ohne jede Präsenz in sozialen Netzwerken.
Die Alternativen sind unmodern und wirksam: ein Newsletter, gute Beziehungen zu lokalen Ausstellungsorten, die Zusammenarbeit mit anderen, Präsenz auf Messen und Märkten. Und eine Website oder Galerie, die man weitergeben kann, ohne sich zu schämen.
Welche Form dafür die richtige ist, vergleicht Eigene Website oder Portfolio-Plattform?. Und was du dort zeigst, steht und fällt mit den Aufnahmen — dazu Bilder richtig abfotografieren.