Die Preisliste zur Ausstellung: Aufbau, Formulierung, Fallstricke
Die Preisliste ist das Dokument, das zwischen Betrachten und Kaufen steht. Fehlt sie, muss jemand fragen — und die meisten fragen nicht, sondern gehen. Sie ist schnell gemacht, sobald man weiß, was hineingehört. Um die Preisfindung selbst geht es hier nicht, sondern um das Blatt, das in der Ausstellung ausliegt.
Warum sie getrennt vom Werkschild ist
Auf das Schild neben der Arbeit gehören Titel, Jahr, Technik und Maße. Der Preis steht auf einer separaten Liste. Diese Trennung ist keine Förmlichkeit, sondern hat zwei handfeste Gründe.
Erstens sieht ein Preis an der Wand die Arbeit zur Ware herabsetzen — das ist Konvention, aber eine, an die sich fast alle halten. Zweitens ist eine Liste praktisch: Preise ändern sich, Arbeiten werden verkauft. Ein neues Blatt drucken ist leichter, als vierzig Schilder zu tauschen.
Der Aufbau
Oben: dein Name, der Ausstellungstitel, der Ort und die Laufzeit. Dann eine Zeile pro Werk, in der Reihenfolge der Hängung — nicht alphabetisch und nicht nach Preis. Wer mit der Liste durch den Raum geht, soll den Arbeiten folgen können.
- Laufende Nummer, die auch auf dem Werkschild steht
- Titel
- Jahr
- Technik und Bildträger
- Maße in Zentimetern, Höhe vor Breite
- Preis
Unten: wie man kauft. Ein Satz genügt — an wen man sich wendet, ob die Arbeiten bis zum Ende der Ausstellung hängen bleiben, und deine Kontaktdaten.
Verkauft kennzeichnen
Der rote Punkt neben dem Werkschild ist die eingespielte Geste für „verkauft“. Er kostet nichts und wirkt: Eine Ausstellung mit drei roten Punkten verkauft nachweislich leichter weiter als eine ohne — Menschen entscheiden ungern als Erste.
Auf der Liste selbst genügt ein handschriftliches Kreuz oder ein Vermerk. Preise streicht man nicht durch; die Angabe bleibt lesbar, sonst wirkt es, als hätte man etwas zu verbergen.
Steuer und Rahmen: die zwei Angaben, die Streit vermeiden
Schreib dazu, ob der Rahmen im Preis enthalten ist. Das ist die häufigste Nachfrage überhaupt, und sie führt hinterher zu Ärger, wenn sie unbeantwortet blieb. Ein Satz am Fuß der Liste reicht: „Alle Preise verstehen sich inklusive Rahmen.“
Zur Umsatzsteuer: Wer die Kleinunternehmerregelung nutzt, weist keine Umsatzsteuer aus und sollte das vermerken. Wer sie ausweist, schreibt, ob die Preise brutto oder netto gelten — bei Privatkäufern immer brutto. Diese Angabe gehört auf die Liste, nicht erst auf die Rechnung.
Was nicht darauf gehört
- Rabatte oder „Verhandlungsbasis“ — das lädt zum Feilschen ein und entwertet die anderen Preise
- Deine Preisbegründung, etwa Arbeitsstunden oder Materialkosten
- Arbeiten, die nicht zu verkaufen sind, ohne den Vermerk „nicht verkäuflich“
- Handschriftliche Korrekturen auf dem Original — druck ein neues Blatt
Praktisches für den Abend
Leg mehr Exemplare aus, als du für nötig hältst — fünf bis zehn bei einer kleinen Ausstellung. Sie werden mitgenommen, und das ist erwünscht: Eine Liste in der Manteltasche ist ein Angebot, das mit nach Hause geht.
Ein Exemplar behältst du selbst und führst darauf mit, was verkauft und was reserviert ist. Am Ende des Abends ist dieses Blatt deine Verkaufsübersicht.
Nach der Ausstellung
Die Preisliste ist auch nach dem Abbau nützlich. Sie ist die Grundlage für die Nachfassmail an alle, die Interesse gezeigt haben, ohne sich zu entscheiden — und diese Mail verkauft erfahrungsgemäß mehr als der Abend selbst.
Wenn du die Ausstellung als begehbare Onlinefassung anlegst, wandern dieselben Angaben mit: Titel, Jahr, Technik, Maße, Verfügbarkeit. Wer die Liste mitgenommen und zu Hause weitergedacht hat, kann die Arbeiten dann noch einmal ansehen, statt sich an sie zu erinnern.